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Kunstinterpretationen
Bilder: Annette
Bültmann
Mail-Dialog:
Jörg Boström J, Annette Bültmann A
J Fri, 11 Jan 2002
dein Pelzbild ist interessant
- auch kunsthistorisch. kennst du die Pelztasse einer surrealistischen
Künstlerin? - Meret Oppenheim.
A Fri, 11 Jan 2002
die Pelztasse hatte ich
ganz vergessen, aber kenne sie und finde sie auch lustig.
Wäre am Rechner sicher
auch gut zu erzeugen, so eine Pelztasse, auch wenn der Überraschungseffekt
wahrscheinlich bei einem realen Objekt größer ist, bzw. vor
allem damals war, als das Objekt vielleicht das erste seiner Art war. Mal
schauen, vielleicht bastle ich später noch mehr Bepelztes.
A Sat, 12 Jan 2002
Habe heute ein Pelz-Stilleben
probiert, Frühstück mit Ei, hatte ja von früher mal schon
eine Kaffeetasse, nun noch Teller, Besteck und Brötchen dazu gebastelt,
aber die Farben sind noch etwas seltsam, und auch der Löffel z.B.
sieht irgendwie krumm aus, und das Brötchen wenig überzeugend.
Wahrscheinlich bearbeite ich es morgen noch ein bisschen, nun gehe ich
aber erstmal schlafen, bis morgen (gibtís bei Dir ein Ei zum Frühstück?)
J Sat, 12 Jan 2002
dein Pelzfrühstück
sieht gut aus. wie wäre es mit einer Bildserie von Kunstinterpretationen
per Mac. Man Ray, Max Ernst, Dali etc??
A Sat, 12 Jan 2002
Das mit den Mac-Kunstinterpretationen
könnte eine gute Idee sein, kann auf jeden Fall mal versuchen, damit
weiterzumachen, und wenn es nicht recht geht, kann man es ja immer noch
wieder lassen. Die drei Künstler die Dir als erstes eingefallen sind,
wären auch bei mir erste Wahl, hast Du sie speziell für mich
ausgesucht? Aber wahrscheinlich auch, weil sie jeder für sich eine
sehr eigene Bildsprache haben, und weil es von ihnen bildikonenmäßig
bekannte Werke gibt? Mir fällt nun gerade als erstes Max Ernst "Europa
nach dem Regen" (oder so ähnlich?) ein, und von Dali die weichen Uhren,
aber die sind vielleicht einmal zu oft gesehen, vielleicht doch lieber
ein anderes, vielleicht so eins wo Tiere lange Stelzenfüße gekriegt
haben, oder was gibtís da noch, schaue gleich mal, habe irgendwo ein paar
Postkarten aus Cadaqués, dort war ich mal vor ewigen Jahren. Auf
jeden Fall versuche ich es!
A Sun, 13 Jan 2002
habe meine Dali-Postkarten
nicht gefunden und deshalb erstmal eine Netzsuche gestartet, dabei festgestellt,
dass es ausser den sehr bekannten weichen Uhren, die eigentlich "Persistence
of Memory" heißen, noch diverse Variationen davon gibt: Soft Watches,
Singularities, The Triangular Hour und dann werden sie noch wieder in Stückchen
zerlegt: The Disintegration of Persistence of Memory, Soft Watch at the
Moment of First Explosion.
Es gibt auch einen Dali
mit Kaffeetasse:
Giant Flying Demi-Tasse
with Incomprehensible Appendage Five Meters Long, und hängende Frühstückseier
http://www.3d-dali.com/Tour/eggs.htm
Das ist ja auch alles ziemlich
interessant, als Anregung für Bilder, ich glaube, muss auch doch noch
irgendwann an die weichen Uhren, Tasse oder Spiegeleier heran, oder, was
auch interessant ist, an die Skulpturen mit Schubladen, aber erstmal habe
ich doch eins ausgesucht mit Tieren auf
Stelzenbeinen, The Temptation
of St.Anthony,
http://www.salvadordali.de/gemaelde/pics/bild350b.jpg
Ist irgendwie witzig, oder?
der Heilige mit dem Kreuz erinnert mich an komische Szenen aus Vampirfilmen,
in denen mit Kreuz und Knoblauch gegen das Böse gekämpft wird,
nur sieht das "Böse" hier bei Dali gar nicht finster aus, sondern
nur bizarr, was die Versuchung angeht, wirkt es auch eher harmlos, finde
ich, aber jedenfalls gefallen mir die Tiere in dem Bild, und die Landschaft,
es ist zwar nicht die ganz typische Cadaqués-Sonnenlandschaft wie
in manchen anderen Bildern, aber vom Licht her erinnert es schon daran,
und nun bin ich beim Basteln
J Sun, 13 Jan 2002
der Dali ist lustig. aber
ich denke, du solltest die Bilder weniger imitieren als interpretieren.
aus den Bildideen etwas neues, eigenes machen wie bei deinem Pelzfrühstück.
da denkt der Betrachter, stutzt: ach---da war doch was?? etwa Katzen auf
Stelzen, fließende Tassen, Schubladen im Kopf etc.
A Sun, 13 Jan 2002
stimmt, eigene Interpretationen
wären besser. Ich glaube, das lässt sich auch machen.
Katzen auf Stelzen sind
eine gute Idee, damit werde ich heute noch anfangen. Auch fließende
Tassen kann ich mir gut vorstellen. Mit Schubladen muss ich mal üben...
Meintest Du das symbolisch,
Schubladen im Kopf für "Schubladendenken"?
Auch eine gute Idee. Da
habe ich aber viel zu tun in nächster Zeit.
Ob ich den heiligen Antonius
trotzdem noch komplettieren sollte? Ein bisschen bastle ich glaube ich
noch daran. Ob man ihn komplett nachgestellt ins Netz stellen darf, oder
ob es dann Schwierigkeiten gibt mit den Veröffentlichungsrechten?
Da müsste man wahrscheinlich den Standpunkt vertreten, dass es auch
so schon eine eigene Interpretation ist, bzw. eine Hommage an Dali.
Mon, 14 Jan 2002
Ich glaube, das Dali-Universum
hat ganz schön viele Motive, die sich mal ausprobieren lassen. Vielleicht
sollte ich auch mal eine richtig Cadaqués-artige Strandlandschaft
versuchen? Frühstück in Strandlandschaft geht vielleicht auch?
J Mon, 14 Jan 2002
für Interpretationen
und auch genaue -aber übersetzte Nachbildungen - s. Lichtenstein,
Warhol, Picasso, gibt es m.E. kein Copyright. das läuft unter künstlerische
Freiheit. ich persönlich finde nur die Anspielungen interessanter
als die Nachahmungen. aber auch damit kann man Wirkung erzielen. wir haben
z.B. ein Kinderbuch über Kunstwerke, wo berühmte Bilder nachgestellt
sind, nur sind alle Menschenfiguren in Katzen verwandelt.
an Schubladen im Kopf habe
ich auch schon gedacht - an gestelztes, ob Mensch oder Tier- und an pelziges,
brüchiges, flatteriges, fetziges. man kann mit Materialstrukturen
verschiedenes menschliche ansprechen.
A Mon, 14 Jan 2002
Das mit dem Katzen-Kunstbuch
ist eine witzige Idee, ich würde fast denken, schade dass es für
Kinder ist, es wäre vielleicht für Erwachsene auch schön.
Aber die dürfen es sich ja auch ansehen.
Mit den Materialstrukturen
sollte ich auch später mal wieder experimentieren, die Katzen von
gestern sind noch ohne Textur-Experimente. Es freut mich, dass es mit dem
Copyright dann wohl kein Problem ist, vielleicht wird eine Serie daraus,
im Laufe der Zeit.
Vorbild? Inspiration? Hommage?
Das Erschaffen einer neuen
Interpretation eines bekannten Kunstwerks, oder eines Bildes, dem deutlich
Einflüsse, Ideen oder Stilrichtung eines anderen, berühmten Künstlers
anzusehen sind, ist ein weit verbreitetes Phänomen, das sich durch
die verschiedenen Bereiche der Kunst zieht, und auch als Übung für
Lernende beliebt ist, oder in Form einer Hommage.
Die Hommage als solche
soll erst im 19.Jahrhundert entstanden sein, habe ich gelesen.
Aber der Einfluss früherer
großer Werke hat sich auch vorher schon bemerkbar gemacht, z.B. in
der Renaissance. Auch später noch wurden Künstler von der Antike
beeinflusst, wenn auch auf andere Weise, zum Beispiel Klee.
Ein Teil seines Werks besteht
aus Darstellungen mythologischer Wesen, zu den Motiven zählen Aphrodite,
Diana, Pomona, Skylla, Gaja, Amazonen, Sphinxe, Chimären, Nereiden,
Sirenen, Nornen und Mänaden. Mehr Informationen dazu im Text zur Ausstellung
"Paul Klee - In der Maske des Mythos"
http://www.hausderkunst.de/
Das Arbeiten an einer Hommage
oder einer Arbeit mit berühmtem Vorbild ist natürlich eine Angelegenheit,
die, wie so vieles, zwei Seiten hat, auf der einen Seite kann es den schlechten
Beigeschmack von Nachahmung und Unselbständigkeit, oder Mangel an
eigenem Stil, haben, zum anderen kann es aber auch eine im ursprünglichen
Sinne des Wortes positive Ehrung des Künstlers sein, außerdem
ein Schritt in die Richtung der richtigen Einordnung der eigenen Arbeit,
eine Möglichkeit, sich selbst darüber mehr Klarheit zu verschaffen,
eine Fortsetzung einer künstlerischen Tradition und gleichzeitig ein
Darüberhinausgehen, oder ein freundlicher Versuch, das Vorbild zu
entstauben. Eine künstlerische Arbeit hat das schon mal im wahrsten
Sinne des Wortes getan: Fillious "Poussiere de Poussiere" (de l'effet)
(1977), sie besteht aus Wattebäuschen mit dem Staub von Rahmen bekannter
Meisterwerke im Louvre und im Metropolitan Museum, das Motto des Künstlers
lautet: "Ein Werk besteht in der Kreativität, die es auslöst."
Eins der Werke, die Kreativität
ausgelöst haben, ist Goyas "Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer
hervor" , das sicher die Surrealisten interessiert hat, aber auch viel
später, 1988, den Videokünstler Bill Viola. Laut Goya wurde die
Capricho-Serie, die teilweise aus Karikaturen, teilweise aus Bildern von
Hexen, Kobolden und Ungeheuern besteht, geschaffen, um Material für
den Spott zu bieten und zugleich die Phantasie des Künstlers anzuregen.
Die Originalradierung Francisco
de Goyas (1746-1828) Blatt Nr.43 aus der Serie Caprichos (Launen, Einfälle)
wurde veröffentlicht im Februar 1799. Das Bild hat auch unter Philosophen
Diskussionen ausgelöst, in denen es u.A. um die korrekte Übersetzung
des Titels geht (Original: El sueño de la razón produce monstruos
- eine andere Übersetzung lautet z.B.: Der Traum einer universalen
Vernunft gebiert Ungeheuer) - mehr dazu siehe z.B.
http://www.humboldtgesellschaft.de/inhalt.php?name=goya
Goyas Kommentar zu dem
Bild:
"Phantasie, von der Vernunft
verlassen, bringt unglaubliche Ungeheuer hervor; verbunden mit ihr, ist
sie die Mutter der Künste und Quelle all ihrer Wunder."
1899 stellte Freud sein
Buch über die Traumdeutung fertig, die Kunst der darauf folgenden
Zeit blieb davon nicht unbeeinflusst. Die Künstler sahenAnalogien
zwischen Traumentstehung und künstlerischem Schaffensprozess, und
es entstanden Collagen, Filmmontagen und surreale Malerei, das automatische
Schreiben, die Frottage u.v.m. Eine Gruppe von surrealistischen Künstlern
versammelte sich um André Breton, der versuchte, die Prinzipien
zu definieren. Er erkannte den "Mahlstrom derPsyche, den selbständigen
Fluss der Assoziationen" und beschrieb im ersten surrealistischen Manifest,
1924, den surrealistischen Prozess:
"Reiner psychischer Automatismus,
durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede andere Weise
den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht, Denk- Diktat
ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen
oder ethischen Überlegung."
Elemente aus dem Traum
und dem Unbewussten sollten so in die Bildrealität übertragen
werden.
Der Surrealismus folgte,
stärker theoretisch begründet, dem Dadaismus, der ein stärkeres
Protest- und Spontaneitäts-Potential hatte, und suchte nach der künstlerischen
Zerlegung der alten Formen nun nach neuer Zusammensetzung, die aber nicht
den durch Konventionen gebremsten, sondern einen direkteren Weg von der
menschlichen Psyche zum Kunstwerk nehmen sollte. Das surrealistische Zentrum
wurde zeitweise Traumlaboratorium genannt, und man ging dort in Methoden
und Bekenntnissen sicher in dieser Hinsicht über die Psychoanalyse
hinaus:
"Ich glaube an die künftige
Auflösung dieser scheinbar so gegensätzlichen Zustände von
Traum und Wirklichkeit in einer Art absoluter Realität, wenn man so
sagen kann: Surrealität."
Freud war nicht allzu begeistert
davon, die Surrealisten würden seiner Meinung nach "in ein Stadium
des Unbewussten zurückfallen", anstatt es bewusst zu machen und zu
therapieren.
Dali wiederum war, als
er im Jahre 1938 Gelegenheit hatte, Freud in London zu treffen, nicht begeistert
von diesem, weil Freud seine Schriften über die von ihm entwickelte
paranoisch-kritische Methode der surrealen Malerei nicht mit ihm lesen
und diskutieren wollte....
Auch von einem anderen
Missverständnis bei diesem Treffen wird berichtet: Als Freud ihm eine
Skizze seines Studentenzimmers zeigte, soll Dalí begeistert ausgerufen
haben, für Freud unverständlicherweise: "Perpignan!" Der Bahnhof
von Perpignan hatte für ihn eine spezielle Bedeutung als Quelle der
Inspiration und besonderer Ort, und das Zimmer hatte dieselbe Form. Später
malte Dali auch ein Bild des Bahnhofs, mit Lichtstrahlen, die wie durch
ein Kirchenfenster in den Bahnhof einfallen.
Auch Dali hatte Vorbilder,
und interessierte sich außerdem für Fotografie und Stereoskopie.
Für die Fotografie
hat er begeisterte Worte gefunden, die bei mir aber manchmal auch den Anschein
von Satire erwecken, wenn er, für mich der Inbegriff des Malers schlechthin,
die Vorzüge der Fotografie gegenüber der Malerei lobt.
"Fotografische Phantasie;
wendiger und schneller im Finden als die trüben Prozesse des Unterbewusstseins!
Ein simpler Wechsel des
Maßstabs bringt ungewohnte Ansichten und Analogien hervor, von denen
keiner geträumt hätte, und die doch existieren.
Das reine Abbild einer
Orchidee vereinigt sich lyrisch mit dem fotografierten Inneren eines Tigerrachens,
in dem die Sonne und tausend Schatten mit der Architektur der Larynx spielen.
Fotografie, die feinste
und unkontrollierbarste Poesie einfängt!
In einem großen und
klaren Kuhauge verformt sich eine äußerst weiße, post-maschinistische
Miniaturlandschaft zu einer Kugelsphäre, in der sich sogar ein Wolkenhimmel
aufs genaueste widerspiegelt, in dem kleinste und weiß leuchtende
Wölkchen schwimmen."
Mit der Stereoskopie hat
er sich längere Zeit beschäftigt, und dann mehrere Bilder in
zwei Versionen, rechts und links, gemalt.
"Photography in three dimensions
and in color of the superfine images of concrete irrationality, entirely
made by hand." Ist dies Dalis Definition von Malerei? Die paranoisch-kritische
Methode müsste später noch genauer betrachtet werden.
Er arbeitete zeitweise
zusammen mit dem Kunstkritiker und Biographen Robert Descharnes, der mehrere
Bücher über Dali geschrieben hat, auch eine Biographie. Descharnes
Interesse an Stereoskopie brachte ihn dazu, sich ebenfalls für Fälle
von "accidental stereo", zufälligem Auftreten stereographischer Malerei
in alten Gemälden zu interessieren.
Unter anderem entdeckte
er 1971, dass der holländische Maler Gerard Dou, ein Schüler
von Rembrandt, manche Gemälde in zwei Versionen mit stereoskopischen
Merkmalen ausgeführt hatte.
Schon Anfang der 60er Jahre
hatte Dalí seine ersten stereoskopischen Bilder mit Hilfe der Fresnel-Gittermethode
gemalt, mit der 3D-Postkarten hergestellt werden. Parallel dazu begann
er mit Arbeiten, die von den klassischen Stereogrammen, das heißt,
von einem Bild für jedes Auge, ausgehen.
Von einem stereoskopischen
Apparat wurden mit zwei Objektiven Fotografien gemacht, die ihm dann als
Vorlage für die Bilder dienten.
Einige Experimente machte
er in Zusammenarbeit mit Roger de Montebello, der ein System von Spiegeln
und Linsen einrichtete, mit dem die Bilder dreidimensional zu sehen waren.
Das System war zuerst problematisch wegen der Dicke des Glases und wegen
der Reflexionen, es wurde dann ein Plastikfilm verwendet, dünner,
und mit höherer Lichtbrechung.
Robert de Montebello ist
einer der Forscher, die ein System von Autostereotechnik entwickelten,
das "Fliegenaugen-Objektivfotographie" "fly's eye lens photography" genannt
wird, wegen des Gebrauchs einer Reihe kleiner Objektive für das Aufnehmen
und das Betrachten des Bildes. So ein Bild wird auch Integramm genannt.
Die Forschungsrichtung kann als mit der Holographie-Forschung verwandt
betrachtet werden, auch wenn sie vielleicht nicht so weit verbreitet ist.
Es gab sogar Versuche,
einen Stereo-Bildschirm für dreidimensionales Fernsehen zu entwickeln.
Dali malte in den darauf
folgenden Jahren, ab 1971, ungefähr 20 Gemälde, die auf stereoskopischen
Wirkungen aufgebaut waren. Sie arbeiteten mit der optischen Wirkung, die
durch verschiedene Spiegel und Linsensysteme hervorgerufen wurde.
J Mon, 14 Jan 2002
du hast ja gleich die Stelzen
und die Schubladen kombiniert. dieAnspielungen machen eben doch mehr Spaß
als die direkten Imitationen.
A Thu, 17 Jan 2002
Habe eben noch ein neues
Bild versucht, in zwei Variationen, aber beide nicht so ganz geglückt,
Schubladenkatze als Badezimmerschrank, dachte ich, vor Kachelmosaikwand;
wollte es dann transparenter machen im zweiten Versuch, aber es ist irgendwie
flächiger geworden.
Fri, 18 Jan 2002
Dann könnte ich Glastextur
unterlegen, so dass die Katze teilweise transparent wird (gibt es das nicht
in "Alice im Wunderland", dass die Katze verschwindet, bis auf ihr Grinsen?
Aber ich glaube, es soll bei meinen Versuchen etwas mehr von den Katzen
sichtbar bleiben).
Sat, 19 Jan 2002
Morgen versuche ich dann
aber mal, ein ganz fetziges, zerfleddertes Exemplar zu machen
J Sun, 20 Jan 2002
deine Katzen fransen schön
A Mon, 21 Jan 2002
habe es weiter versucht,
mit den fransenden Katzen, aber ich glaube, so ganz geglückt ist es
immer noch nicht, obwohl die Textur jetzt schon teilweise verschwindet.
Schicke sie aber mal mit, vielleicht gefallen sie Dir ja doch ein bisschen?
Aber die Landschaft ist nun nicht mehr recht dalimäßig, dabei
hat er so interessante Bilder der sonnigen spanischen Gegend gemalt, mal
mehr, mal weniger erkennbar noch die Strandlandschaft von Cadaqués,
die ich ja auch mal gesehen habe, ich glaube ich bin dort auf der Insel,
wo man damals zelten konnte, auch immer am frühen Nachmittag oder
gar Mittags schon aufgestanden, und habe für meine Verhältnisse
in der Zeit unglaublich viel Tageslicht abbekommen, und Dali hat bestimmt
noch viel mehr abbekommen (letztens habe ich mit Bekannten über die
Dali-Bilder gesprochen, da fragte sich einer, ob es wohl an LSD oder am
Sonnenstich gelegen hat, dass er solche Halluzinationen hatte) aber vielleicht
geht das mit den sonnigen Landschaften auch nicht recht aus der Erinnerung,
es ist schon so lange her, dass ich dort war, aber versuchen könnte
ich es ja trotzdem mal?
J Mon, 21 Jan 2002
Dali war sicherlich sonderbar.
Freud wollte ihn analysieren - aber Dali wollte nicht. Er meinte, dann
gingen seine Inspirationen verloren. Er nannte sein künstlerisches
Verfahren denn auch "kritische Paranoia". Aber im Surrealismus gibt auch
sonst "surreale" Bildfantasien ohne Geisteskrankheiten.
A Mon, 21 Jan 2002
Dalis Paranoia kommt mir
gar nicht so schlimm vor- auch die sonderbarsten seiner Bilder haben meist
noch irgendwie etwas Freundliches, und ich glaube, wer so nah mit seinem
Unterbewusstsein verbunden malt, wird jedenfalls nicht allzu viel davon
unterdrücken, so dass es für Freud ja vielleicht wenig zu tun
gegeben hätte, weil alles in den Bildern schon offen zutage liegt,
im hellen spanischen Nachmittagslicht. Keine finsteren Winkel, in denen
Unangenehmes versteckt liegt, oder doch? Vielleicht ist es auch ein Irrtum
von mir, und Freud hätte trotz surrealer Malerei noch genug zu tun
bekommen...
Wed, 30 Jan 2002
wollte mal wieder kreativ
werden heute Nacht, habe mit der kleinen Digitalkamera Fotos gemacht im
Badezimmer, und die dann als Texturen verwendet für einen Hintergrund
und eine Nagelbürste mit Katzendesign. Hoffe, dass sie Dir gefällt?
Nun weiß ich nicht, mit der Beleuchtung, wie viel Schatten sie bekommen
soll, schicke mal zwei Versionen mit. Kann es sein, dass die eine zuviel,
die andere zuwenig Schatten hat?
J Wed, 30 Jan 2002
deine Bürstenkatze
ist lustig. unsere bürste ich jeden Abend - mit der Drahtbürste.
sie lässt soviel Haare darin - die Reste sehen aus wie eine Maus.
die Schattenkatze ist besser - meine ich.
A Thu, 31 Jan 2002
Dann habe ich weiter Badezimmer-Design
versucht, diesmal eine Katzenbürste liegend im Waschbecken, und einen
Katzen-Wasserhahn, der ist mir aber glaube ich noch nicht so ganz geglückt,
von der Perspektive her? Wenn er mir gelänge, würde es wahrscheinlich
etwas jugendstilmäßig aussehen, damit es stilecht wäre,
fehlte dann vielleicht noch eine Seifenschale mit Katzenfüßen?
Ob ich das morgen mal versuchen sollte? Oder vielleicht lieber z.B. Küchengeräte-Design,
da gibt es sicher auch noch viele Möglichkeiten?
J Fri, 01 Feb 2002
deine Badebilder sind jetzt
etwas blass - zu hell. ohne Schatten.
A Sat, 02 Feb 2002
Das zweite ist nun ein
Versuch, nun doch auch mal Küchendesign zu probieren, erkennt man,
was es ist? Das Textur-Foto stammt von so einem Stahlwollschwamm für
das Putzen von Töpfen. Kann mich gerade nicht entscheiden zwischen
hellerer und dunklerer Version, maile mal beide.
Sollte ich das Küchendesign
wohl auch noch weiter versuchen, oder lieber beim Badezimmer bleiben?
Tue, 05 Feb 2002
noch mal der Ausguss, diesmal
mit Designerstöpsel. Ist er mir schon einigermaßen gelungen?
Vielleicht könntest
Du mal die Katze fragen, wenn sie mitgekommen ist nach Lansen, aber sie
schaut sich wahrscheinlich nicht gerne Computerbilder an ;-) ? Wahrscheinlich
müsste man, um sie zu motivieren erstmal Mäuse animieren und
das vertonen mit Raschelgeräuschen, vielleicht sollte ich das auch
mal irgendwann versuchen?
J Tue, 05 Feb 2002
die Katze schläft
- wahrscheinlich traumlos, weil hier die letzte Maus in die Falle gegangen
ist.
A Tue, 05 Feb 2002
Die Katze schläft,
und träumt nicht von Mäusen? Habe das schon gelegentlich gesehen,
bei Katzen, und auch mal bei Hunden, dass im Schlaf ihre Pfoten zucken,
oder die Schnurrbarthaare, und dass man den Eindruck hat, dass sie gerade
im Traum etwas wildes unternehmen. Aber vielleicht braucht es dazu gar
keine echten Mäuse, oder bzw. es reichen die aus der Erinnerung? Das
Erinnerungsvermögen an etwas Angenehmes ist ja bei Tieren auf jeden
Fall stark vorhanden, wenn man bedenkt, wie sie beim Anblick einer Dose
Futter manchmal begeisterte Gesten und Geräusche machen. Das muss
die Erinnerung an vergangenes Futter sein, weil die aktuelle ungeöffnete
Dose ja weder Duft verströmt noch wie Futter aussieht. Also denke
ich, dass auch starke Erinnerungen an Mäuse vorhanden sind, aber wer
weiß, vielleicht gibt es sogar auch bei Tieren ein kollektives Unbewusstes,
und dann ist dort bei einer Katze eine Maus sicher ein archetypisches Schema?
Nun habe ich mich aber auf theoretisch unsicheres Gebiet begeben...
A Fri, 08 Feb 2002
habe es geschafft, den
Hitchcock-Film anzuschauen, ohne gleichzeitig alles mögliche zu machen,
und finde, dass es sich gelohnt hat. Es ist ein gar nicht grusliger, aber
trotzdem spannender Hitchcock, ich finde, einer der besonders gelungenen.
Auch die Dali-Traumszene (wenn ich mich recht erinnere, wollte Hitchcock
sie gar nicht unbedingt so haben? Wahrscheinlich ist zu sehr Dalis eigener
Stil hineingeraten, mir gefällt es aber)
Die Psychoanalyse ist ja
in dem Film ziemlich schnell vonstatten gegangen, aber macht nichts, es
muss ja im Film nicht immer ganz realistisch sein...
Dann dachte ich, wenn ich
nun zwei gute Schwarzweißfilme heute gesehen habe, versuche ich mal
ein schwarzweißes Katzenwäschebild. Ob es, um an Schwarzweißfilme
zu erinnern, dramatischer beleuchtet werden sollte?
J Fri, 08 Feb 2002
der Hitchcockfilm ist wirklich
eine Hommage an die Psychoanalyse. er glaubte wohl daran aber so ganz kausal
funktioniert sie wohl - leider? - nicht. die Seele ist doch noch etwas
mehr als ein Abstellraum der Kindheit. der schwarzen Katze hat es gut getan
- auch die schreckliche Beziehungskiste vom Messer im Wasser, die noch
grausamer ist als ein Mord - Männer sind gräulich -Frauen auch.
ein Liebeshorror erster Güte
A Mon, 11 Feb 2002
Mir schienen eben beim
Betrachten des heutigen Ergebnisses die beiden eiförmigen Blasen noch
zu glatt zu sein, daran ließe sich aber noch einiges ändern.
J Mon, 11 Feb 2002
Ureier mit geklonten Menschen
- sie sehen so optimistisch aus
A Wed, 27 Mar 2002
dachte mir, dass ich mal
Deinen Rat befolgen könnte, Dali als Kunsterzieher zu sehen, und wollte
deshalb versuchen, die paranoisch-kritische Methode auf das Basteln von
Computerbildern anzuwenden. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, bedeutet
das, in den Umrissen oder Formen immer wieder auch noch andere mögliche
Gestalten zu sehen und die dann im Bild auch anzudeuten
J Fri, 29 Mar 2002
die tiere sehen aus wie
aus dem sumpf entwickelt - sehr genmässig, wie aus dem urschleim -
gott hat geniesst - oh - hoffentlich keine lästerung
A Fri, 29 Mar 2002
die Idee mit dem Niesen
Gottes ist lustig, ich glaube nicht, dass es allzu lästerlich ist,
habe mich gefragt, ob ich nicht schonmal sowas gehört oder gelesen
hätte, in anderem Zusammenhang, und ein bisschen im Netz geschaut,
und da mal wieder Interessantes über Schöpfungsgeschichten gefunden,
z.B.:
"Es wurde auch erzählt,
dass Atum den Luftgott Schu durch Niesen und die Göttin Tefnut durch
Ausspucken gezeugt hat. Auf jeden Fall zeugten Schu und Tefnut Nut und
Geb, wobei Nut der Himmel und Geb die Erde war."
http://www.selket.de/schoepfung.htm
Die paranoisch-kritische
Methode führte zur Entstehung diverser Suchbilder, in denen mehrere
Bilder gleichzeitig zu finden sind. Das Vexierbild ist ein bekanntes Phänomen,
das inzwischen auch neurologisch erforscht und simuliert wird. Dali fordert
nun das Wahrnehmungsvermögen, indem er noch mehr als zwei Bilder in
einem unterbringt, ein Beispiel das Bild "Endloses Rätsel", in dem
gleichzeitig ein Zyklop, ein Windhund, eine Obstschale, Mandoline und Feigen,
ein Boot, die Frau eines Fischers beim Ausbessern eines Segels, ein liegender
Philosoph und ein Fabeltier zu erkennen sind:
http://www.salvadordali.de/gemaelde/pics/bild292b.jpg
Hierbei sind alle Bilder
gleichwertig, es ist nicht zu entscheiden, welches von ihnen der Wirklichkeit
entspricht. Das kann eine Irritation der Wahrnehmung hervorrufen, und eine
Veränderung des Bildes von der alltäglichen Realität. Deshalb
bezeichnet Dali als paranoisch-kritische Aktivität: "Spontane Methode
irrationaler Erkenntnis, die auf der kritisch interpretierenden Assoziation
wahnhafter Phänomene beruht."
Literatur: Salvador Dali,
Unabhängigkeitserklärung der Phantasie und Erklärung der
Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit, München 1974
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